Holistisches Denken
Von Andreas Kohlmann am 01.08.2007

Ein Vorstoß in die Welt der Geister
Die Zerstörungswut und das Zerfallen totalitärer Regime im zwanzigsten Jahr-hundert haben die Philosophen geprägt. Kein Wunder, dass in den Ideenge-bäuden der letzten Jahrzehnte antifundamentalistische Differenz- und Plurali-tätslehren großen Raum einnehmen. Die Autorität der Einheit soll gesprengt werden. Heute spricht man ganz selbstverständlich postmodern von „Identitäten im Übergang“, oder von der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen.“ Solch große Bewegungen erzeugen durch ihren Kraftsog immer auch Gegenbewegungen und diesen Platz nimmt die parallele Entwicklung des sogenannten „holisti-schen Denkens“ ein. Dieser Strömung und der Frage, was sich hinter dem ab-strakten „Holismus“ verbirgt, wollen wir nachgehen.
Holistisches Denken könnte man zunächst als ganzheitliches Denken ver-stehen. Hört dabei jemand eine Verwandtschaft zur anhaltenden Esoterik- und New-Age-Welle, liegt er damit gar nicht so falsch, denn die Inhalte sind nicht so verschieden - wenn auch ihre gelebte Praxis sehr unterschiedlich ausschaut. Die Kernaussage holistischen Denkens besteht darin, dass das „Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile“. Die „Ganzheit“ erhält ihr vollkommen unabhängiges Eigenleben. Dadurch entsteht eine Ab-grenzung zur klassischen naturwissenschaftlichen Methodik. Denn diese beruht darauf, Probleme in ihrer Komplexität zu reduzieren, indem man sie in verschiedene Bestandteile zerlegt, um sie anschließend besser unter die Lupe nehmen zu können. Die Lösung des großen komplexen Problems ergibt sich dann, indem man die Einzelergebnisse wieder zusammenfügt. Klassische Wissenschaft als Puzzle.




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